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Wolfgang Oelze
Silencers, Videolänge 15 Minuten
Der immanente Mangel an Wahrheit in der Künstlichkeit des Films wird durch kleine Fehler ausgeglichen, die den Eindruck erwecken sollen, die Situation sei nicht konstruiert und vorhergeplant, sondern passiere tatsächlich und entwickle sich unvorhersehbar, wie das, was wir als Realität einstufen.
Dies geschieht unter anderem mit Hilfe von konstruierten Zufällen, wie das Danebenschießen, welches noch zufälliger und unvorhersehbarer erscheint durch sein sehr kurzes, oft nur eine Sekunde dauerndes Auftreten.
Der Hinterhalt deutet die Angst vor der Allgegenwart des Todes im Leben an, von der wir erst durch den Tod selbst erlöst werden.
Zwillinge, Videolänge 22 Minuten
Auf zwei Monitoren wird jeweils ein sehr langsamer nach oben gerichteter Handkameraschwenk über die Fassade eines Bürohochhauses gezeigt.
Die Bewegung geht sehr langsam und gleichmäßig voran, jedoch nicht maschinell, sondern es läßt sich durch die Handkameraführung der Blick eines Individuums erahnen.
Es entsteht eine durch die Langsamkeit immer wieder gebremste Erwartung der Fortsetzung und des Ziels des Schwenks.
Dies wird noch verstärkt durch kleine, individuelle Details der Bürobevölkerung , die in der unpersönlichen Umgebung des Büros auftauchen und Neugier, Identifikation und die Erwartung, einen Menschen, ein Gegenüber zu sehen, erwecken.
Gelegentlich zeigt sich ein Mensch und sackt durch das unausweichliche Kontinuum der Kamerabewegung in die Tiefe, heraus aus dem Bildausschnitt, nicht ans Ziel des Blickes gelangend.
In der zunehmenden Steilheit des Kamerablickwinkels deutet sich ein Ende, die Erlösung des Wartens an.
Dieser Zustand wird im Wechsel der Stockwerke wiederholt und variiert, zum Prinzip von Leben und Vergängnis erklärt, nicht Zielgerichtet und Fragen erzeugend.
Tide Time TV , Videolänge 180 Minuten
erste Veröffentlichung als verlangsamte Fernsehsendung 1991Als Vorlage dient eine Fernsehmattscheibe im Videobild.
Der Kameraausschnitt zeigt nur einen nur Teil vom Gesamtbild, der neue Fernsehbildausschnitt zeigt ein vergrößertes, vergröbertes Fernsehraster.
Nach einiger Zeit zu erahnen sind Wellen, Strand, ansteigende Flut 7 Minuten Länge der Vorlage werden zu 180 Minuten durch 25- fache Verlangsamung und die Einzelbilder werden sichtbar:
statt 25 Bilder in der Sekunde sieht man nun 1 Bild in der Sekunde. Nach 90 Minuten, der Hälfte des Bandes, fällt in einem kurzen Moment die Mattscheibe um und wird von den Wellen überspült.